• Street Art – die Straße wird zum Abenteuerspielplatz

    by  • 4. März 2013 • Kunst und Design • 0 Comments

    Streetart

    by heatheronhertravels

    Wer mit offenen Augen durch seine Stadt geht, wird mitunter wundersame Dinge entdecken. Hier ein Baum im kunterbunten Strick-Look, da ein lustiges Männchen auf einem Straßenschild oder ein pixeliges Space Invaders-Mosaik an einer Hauswand. Straßenkunst kennt keine Grenzen, stattdessen bahnen sich die „wilden“ Kunstwerke unaufhaltsam ihren Weg durch den Großstadtdschungel und erobern Straßenlaternen, Fassaden, Bürgersteige und U-Bahnhöfe.
    Keine Kunstform polarisiert so sehr wie Street Art. Die einen freuen sich über die augenzwinkernde Verschönerung des öffentlichen Raumes, die anderen ärgern sich über die „mutwillige Beschädigung“ privaten Eigentums. Dabei hat sich Kunst schon immer den konventionellen Regeln widersetzt. Und so will auch Street Art durch kritisches Hinterfragen des Freiheitsbegriffes zum Nachdenken anregen.

    Zwischen Performance und Protest

    Street Art überschreitet die Grenze der Legalität überall dort, wo sie städtisches oder privates Eigentum „angreift“. Trotzdem wird sie in den meisten Fällen toleriert, da sie ja tatsächlich triste Wände in Kunstwerke verwandelt. Hinzu kommt, dass die verschiedenen Kunstformen ganz unterschiedliche Lebenserwartungen haben. Manche, wie zum Beispiel Straßenmalereien mit Kreide oder Paste-Ups aus Papier, sind schon nach dem ersten Regenguss wieder verschwunden. In diesem Fall ist nicht das Endergebnis, sondern der künstlerische Akt selbst das Kunstwerk.
    Oft provoziert Street Art durch plakative Statements, um auf gesellschaftliche oder politische Missstände aufmerksam zu machen. Aber die Tatsache, dass sie sich permanent am Rande der Legalität bewegt, ist an sich schon ein politisches Statement – nicht umsonst wird sie häufig auch als Guerilla-Kunst bezeichnet.

    Graffiti, Knitting und Co.

    Das American Graffiti entstand Ende der 60er Jahre in New York und gilt als Vorreiter der Street Art. Genau wie die Street Art Künstler von heute wollten sich die New Yorker Jugendlichen durch das Verteilen ihrer Kunst auf Wänden und U-Bahnen die Stadt zu eigen machen. Sprühdosen gehören nach wie vor zur Grundausstattung vieler Street Art Künstler, obwohl heute auch andere Werkzeuge wie Pinsel, Malerrollen, Airbrush usw. zum Einsatz kommen.
    Es gibt zahlreiche Street Art-Techniken. Sehr beliebt ist zum Beispiel das Stencil, also das Anfertigen eines Graffitis mithilfe einer Schablone, da es besonders zeitsparend ist. Aber auch Murals (Wandmalereien), Paste-Ups (mit Leim oder Kleister aufgezogene Plakate), Mosaike und Installationen sind weit verbreitete Street Art-Techniken.
    Besonders originell ist auch das „Urban Knitting“ oder „Guerilla Knitting“. Dabei werden Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricken verziert. So entstehen witzige Accessoires wie Hand- oder Fesselwärmer für Statuen, „Strickkleider“ für Bäume, Laternenpfähle oder Brückenpfeiler und wollene Anhänger für Zäune, Fahrräder oder Haustüren. Geboren wurde diese Form der Street Art angeblich in Houston (Texas), wo eine Gruppe von Strickerinnen 2005 damit begann, Türklinken mit bunten „Knittings“ zu verzieren. Diese Form der Street Art ist vor allem in Amerika, England und Spanien bekannt, wird aber auch in Deutschland, zum Beispiel in Hamburg oder Berlin, mit wachsender Begeisterung betrieben.
    Ob man die kleinen Kunstwerke im Alltag nun schön findet oder nicht – in jedem Fall ist es ein Versuch, den öffentlichen Raum ein wenig lebendiger zu gestalten. Denn schließlich ist jeder Farbklecks noch tausendmal besser als eine nackte, graue Wand. Und wenn man sich bei einem Spaziergang durch die Stadt einmal ganz bewusst auf die vielen Bilder und Botschaften einlässt, die an jeder Straßenecke lauern, kann man sich mit Sicherheit das eine oder andere Lächeln nicht verkneifen.

    About

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.