• Pferderennen: Big Business und Traditionssport

    by  • 30. Mai 2013 • Sport und Freizeit • 0 Comments

    Pferderennen„Nicht alle auf der Rennbahn sind Gauner, aber alle Gauner sind auf der Rennbahn“, wird der frühere Premierminister von Großbritannien, Winston Churchill, zitiert. Damit spielt er auf das bunte Publikum ab, dass sich auf Rennbahnen tummelt: Zocker, die den nächsten Coup wittern, Familien oder die oberen Zehntausend, die die neueste Hutmode zur Schau stellen. Auf der Pferderennbahn findet sich der Querschnitt der Gesellschaft wieder. Doch was hat es mit dem Phänomen des Pferderennsports auf sich?

    Zunächst ist es eine mit Traditionen und alten Regeln aufgeladene Sportart, die als eine der ältesten der Welt gilt. An einem Pferderennen nehmen ausschließlich englische Vollblutpferde teil (sog. „thoroughbred“), die zu fast 100% aus drei Stammväter aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert zurückzuführen sind. Der Stammbaum eines Rennpferdes muss für über mehrere Generationen zurückverfolgt werden, damit es den Status Vollblut erhält.

    Der Erfolg wird vererbt

    In Deutschland gilt das Deutsche Derby als wichtigstes Rennen, das jährlich auf der Rennbahn in Hamburg-Horn ausgetragen wird. Es besteht seit 1869. Die Teilnehmer „gehen“ dabei über die Distanz von 2.400 Metern. Das Ziel des Züchters ist es, die Pferde so zu ziehen, dass sie diese Distanz durchstehen. Die Zucht muss auch das Geläuf beachten: Wenn der Boden tief und matschig ist („schwer“), sollte das Pferd einen Vererber haben, der in seinen Rennen bewiesen hat, dass er diese Bodenbeschaffenheit „gestanden“ hat.

    Dabei gewinnt nicht immer das größte und stärkste Pferd – und schon gar nicht nur die Hengste. Momentan wird in Deutschland die Wunderstute Danedream gefeiert, die im Jahr 2011 mit ihrem schmächtigen Körperbau das wichtigste Rennen der Welt, den „Prix de l‘Arc de Triomphe“ in Paris-Longchamp, gewinnen konnte. Insgesamt kassierten die Besitzer mit ihren Siegen ca. 3,6 Millionen Euro.

    Von Strategen und Fliegengewichten

    Zu den wichtigen Protagonisten zählt der Trainer. Er versucht im Gestüt bei der Arbeit mit den Pferden herauszufinden, ob sie reif für ein Rennen sind, bzw. sucht er die passenden Rennen mit den richtigen Distanzen heraus, um für den Besitzer ein möglichst hohes Preisgeld herauszuschlagen. Die Spanne geht von wenigen Tausend Euro für den Sieg in der niedrigsten Klasse bis zu mehreren Millionen Euro in einem Gruppe I-Rennen, das mit der Champions League im Fußball vergleichbar ist.

    Der Jockey ist in der Regel eine kleine, schmächtige Person, die im professionellen Bereich nicht mehr als 55 Kilogramm wiegen darf. Er bekommt vor dem Rennen die Order, also Instruktionen vom Trainer, wie er das Pferd reiten soll. Beispielsweise kann der Jockey „auf Warten reiten“, also im letzten Moment die Kraftreserven des Pferdes mobilisieren und am Ende noch an den anderen vorbeiziehen oder „von Vorne gehen“. Er muss das Pferd lesen können und es zu Höchstleistungen antreiben.

    In Deutschland dubios, anderswo das liebste Kind

    Meist macht erst beim Wetten auf ein Pferd das Zuschauen so richtig Spaß. Es soll beim Spaß bleiben, auch wenn man „auf das falsche Pferd gesetzt“ hat. Es gilt die Regel: Wette nur so viel, wie du mit einem lachenden Auge verlieren kannst. Das kann für den Familienvater ein Euro sein oder für den rennsportbegeisterten Scheich ein paar Millionen Dollar. Man sollte nie mehr Geld setzen, als man kann, auch nicht wenn Sie von irgendjemandem einen „Insider-Tipp“ bekommen haben.

    Pferderennen hat in Deutschland ein leicht negatives Image. In Ländern wie Großbritannien oder Frankreich hingegen sind die Menschen verrückt nach den Rennen. An jeder Ecke gibt es eine Wettannahmestelle. Gerade in Frankreich kann man in vielen Bistros und Geschäften seinen Tipp abgeben. Hier ist das Wetten wie das Lotto staatlich geregelt und setzt Milliarden um, die zu einem Teil gemeinnütziger Zwecke zugutekommen.

    In England hat das Wetten eine noch längere Tradition. Zu verschiedensten Quoten setzen die Briten ihr Geld auf den nächsten Papst, wie viele Medaillen sie bei Olympia gewinnen oder eben auf ihr Lieblingspferd. In Großbritannien wird das Pferderennen auch immer mit den Royals in Verbindung gebracht. Die Queen ist Besitzerin einiger Rennpferde und auch Prinz William tummelt sich gern auf den Premium-Bahnen in Cheltenham oder Ascot.

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